Kriege und Konflikte seit 1945

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Infografik Nr. 621071

Ab 1945 dominierte der Kalte Krieg die Weltpolitik. Nachdessen Ende gewinnen neue Entwicklungen an Bedeutung: einerseits die Entstaatlichung von Konflikten, andererseits die Entwicklung zuhochtechnisierter Kriegführung. Das ZAHLENBILD gibt einen Überblick über das globale Konfliktgeschehen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

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Kriege und Konflikte seit 1945 In den Jahren seit 1945 blieb die Menschheit vor einem... mehr
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Kriege und Konflikte seit 1945

In den Jahren seit 1945 blieb die Menschheit vor einem weiteren Weltkrieg bewahrt, der zwangsläufig zur Vernichtung weiter Teile der Erde geführt hätte. Das Gleichgewicht des atomaren Schreckens, das sich zwischen den Supermächten in Ost und West herausgebildet hatte, verhinderte den Einsatz der nuklearen Massenvernichtungswaffen. Unterhalb der atomaren Schwelle blieb aber schon zu Zeiten des Kalten Krieges ein breites Feld für kriegerische Auseinandersetzungen unterschiedlicher Intensität. Während die Strategie der Abschreckung jeden mit Kernwaffen angreifenden Gegner einem so hohen Vernichtungsrisiko aussetzte, dass der Atomkrieg undenkbar wurde, starben Millionen Menschen in Konflikten, die mit konventionellen Waffen ausgetragen wurden. Die Kriegsgefahr nahm unter den Bedingungen des Atomzeitalters also nicht ab. Im Gegenteil: Die weltpolitischen und weltwirtschaftlichen Veränderungen nach 1945 ließen neue Konfliktherde entstehen, brachten neue Akteure auf den Plan und machten erstmals jede noch so entlegene Weltregion zum potenziellen Ausgangspunkt einer internationalen Krise.

Nach Erkenntnissen der Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung (AKUF) an der Universität Hamburg wurden zwischen 1945 und 2013 weltweit mehr als 200 Kriege ausgetragen. Krieg wird dabei als gewaltsamer Massenkonflikt verstanden, der folgende Merkmale aufweist: die Konfliktparteien kämpfen mit bewaffneten Streitkräften gegeneinander, bei denen es sich zumindest auf einer Seite um reguläre Regierungstruppen handelt; auf beiden Seiten gibt es ein Mindestmaß an zentraler Organisation der Kampfführung; die Kampfhandlungen weisen eine gewisse Kontinuität auf. Als bewaffnete Konflikte werden demgegenüber gewaltsame Auseinandersetzungen bezeichnet, bei denen nicht alle Kriterien eines Krieges erfüllt sind, so zum Beispiel, wenn keine regulären Truppen involviert sind oder nur sporadische Kampfhandlungen stattfinden.

Bei der Betrachtung der Konfliktgeschichte seit 1945 lassen sich einige allgemeine Entwicklungslinien herausheben: • In Afrika und Asien war der Kampf um die Unabhängigkeit von den europäischen Kolonialmächten bis in die 1970er Jahre die häufigste Erscheinungsform regionaler Krisen. Großbritannien, Frankreich, Belgien, die Niederlande und Portugal waren in zum Teil sehr langwierige und verlustreiche Kriege mit antikolonialen Befreiungsbewegungen verwickelt (z.B. in Indochina, Algerien, Indonesien oder im Kongo).

• Unter den Vorzeichen des Ost-West-Gegensatzes entstanden zahlreiche Konflikte aus der Aufteilung der Welt in Machtblöcke und Interessensphären. So setzte die Sowjetunion mehrfach militärische Gewalt ein, um ihren osteuropäischen Machtbereich zu konsolidieren und Loslösungsbestrebungen oder Aufstände zu unterbinden (1953 in der DDR, 1956 in Ungarn, 1968 in der Tschechoslowakei). Um zu verhindern, dass Länder des weiteren Einflussbereichs ins andere Lager überwechselten oder um ihren Machtanspruch erstmals zu etablieren, unterstützten die Großmächte bewaffnete Aktionen in der Dritten Welt. Von finanzieller Hilfe über Waffenlieferungen bis zum direkten militärischen Eingreifen reichten die Einwirkungsmöglichkeiten. Das militärische Engagement der USA in Vietnam oder der sowjetische Einmarsch in Afghanistan sind dieser Konfliktkategorie zuzurechnen.

• Nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes haben der Zerfall der Sowjetunion und Jugoslawiens sowie die innere Zerrüttung fragiler Staaten in der Dritten Welt vielerorts zur Aushöhlung oder gar zum Verlust des staatlichen Gewaltmonopols geführt. Die Folge ist eine fortschreitende Entstaatlichung von Konflikten, die zunehmend von nicht-staatlichen Akteuren beherrscht werden: Rebellen, Warlords mit Privatarmeen, Terroristen, kriminelle Banden und private Militärfirmen bestimmen das Bild. Ihre Motive können politischer, religiöser, sozialer, ethnischer oder ökonomischer Natur sein. Oft hat sich in den Krisengebieten eine auf Zwang und Gewalt gestützte Kriegsökonomie entwickelt, in der die vorherrschenden Akteure durch Raub, Ausbeutung und organisierte Kriminalität profitieren – vor allem, wenn die Anbindung an den kriminellen Weltmarkt gelingt. Diese „Gewaltunternehmer“ haben an einer Beilegung des Konfliktes kein Interesse, da er die Grundlage ihres Wirtschaftens bildet. Auch deshalb sind derartige Konflikte gekennzeichnet durch ihre lange Dauer bei relativ niedriger Intensität (low intensity conflicts). Die Last solcher Konflikte trägt in aller Regel die Zivilbevölkerung.

• Auf staatlicher Seite hingegen hat seit den 1990er Jahren eine Entwicklung hin zu hochtechnisierten Waffensystemen und computergestützter Kriegführung stattgefunden. Insbesondere in den USA, ...

Ausgabe: 04/2014
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