Geld für zuhause – Überweisungen in die Dritte Welt

Geld für zuhause – Überweisungen in die Dritte Welt
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Infografik Nr. 625315

Das ZAHLENBILD veranschaulicht die Heimatüberweisungen von Arbeitsmigranten seit 1995 und identifiziert die Staaten, die auf solche Zahlungen besonders angewiesen sind. Jetzt downloaden!

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Für viele Länder der Dritten Welt stellt der Export von Arbeitskräften in die reichen Industrie- und Ölstaaten eine unverzichtbare Einkommens- und Devisenquelle dar. So arbeiten mexikanische Landarbeiter in den USA, Bauarbeiter aus Indien, Pakistan oder Bangladesch in den Golfstaaten und philippinische Krankenschwestern in Europa. Bleiben die Familien dieser Arbeitsmigranten in der Heimat zurück, werden sie mit dem im Ausland verdienten Geld oft regelmäßig unterstützt. Und nicht selten kehren Auswanderer nach Jahren der Arbeit im Ausland mit den gesammelten Ersparnissen in ihr Herkunftsland zurück, um dort ein Haus zu bauen, in gesichertem Wohlstand zu leben oder sich eine neue wirtschaftliche Existenzgrundlage zu schaffen.

Die meist kleinen Beträge, die von Gastarbeitern, Verwandten oder sonstigen Privatpersonen aus dem Ausland geschickt werden, summieren sich Jahr für Jahr zu einem gewaltigen Geldstrom. Nach Daten der Weltbank stiegen die persönlichen Überweisungen in die Entwicklungsländer (low und middle income countries) zwischen 1995 und 2020 von 50 auf 508 Milliarden US-$. Befürchtungen, die Geldströme würden infolge der Corona-Pandemie einbrechen, haben sich damit nicht bewahrheitet. Hauptempfänger der Transfers waren Indien (83 Mrd $), Mexiko (43 Mrd $), die Philippinen (35 Mrd $), Ägypten (30 Mrd $) und Pakistan (26 Mrd $). Viele kleinere Entwicklungsländer reichen an diese Beträge nicht heran, doch haben die Geldsendungen aus dem Ausland für sie oft eine weit größere Bedeutung. So machten die persönlichen Überweisungen 2020 in zwölf Ländern mehr als 20 % des Bruttoinlandsprodukts aus. Die Spitzenwerte wurden für Tonga (mit 39 % des BIP), Somalia (35 %) und Kirgisien (31 %) errechnet. Im Vergleich mit den offiziellen Entwicklungshilfeleistungen der reichen Länder (2020: 161 Mrd $) lagen die gesamten persönlichen Transfers in die Entwicklungsländer mehr als dreimal so hoch.

Dass die Geldtransfers der Angehörigen im Ausland das Leben der Daheimgebliebenen erleichtern, ist unbestritten. Die Frage nach den Auswirkungen dieser Überweisungen auf die Volkswirtschaften der Heimatländer lässt sich dagegen nicht so eindeutig beantworten. So kann das aus dem Ausland zufließende Geld die Nachfrage nach heimischen Konsumgütern anregen und über höhere Steuereinnahmen den Handlungsspielraum der Regierung erweitern. Es kann aber auch dazu beitragen, dass notwendige Reformen aufgeschoben werden und der mögliche Wohlfahrtsgewinn für das ganze Land durch Korruption und Misswirtschaft verspielt wird.

Ausgabe: 03/2022
Produktformat: eps-Version, Komplette Online-Ausgabe als PDF-Datei.
Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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