Vermeidbarer Tod

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Infografik Nr. 707155

Vermeidbarer Tod

In der EU starben 2012 rund 1,7 Mio Menschen im Alter von unter 75 Jahren. Aber ein großer Teil dieser Todesfälle hätten vermieden werden können. Gesundheitsforscher g ...

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Vermeidbarer Tod

In der EU starben 2012 rund 1,7 Mio Menschen im Alter von unter 75 Jahren. Aber ein großer Teil dieser Todesfälle hätten vermieden werden können. Gesundheitsforscher gehen davon aus, dass viele Krankheiten so weit behandelbar sind, dass sie nicht zum Tode führen müssen, zumindest nicht zu einem so frühen Zeitpunkt. Je besser ein Gesundheitssystem funktioniert, desto geringer also der Anteil solcher vorzeitigen Todesfälle. Folgt man dieser Überlegung, können die entsprechenden Sterberaten als grober Vergleichsmaßstab für die Qualität der Gesundheitsversorgung eines Landes dienen. Und es lässt sich fragen, wo noch Schwachstellen liegen: in der Finanzierung des Gesundheitswesens etwa oder im medizinischen Leistungsspektrum – von der Früherkennung und Diagnose über die ambulante und stationäre Behandlung, die Ausstattung mit medizinischem Gerät und die medikamentöse Versorgung bis zur Pflege und Nachsorge.

Nach einem Bericht des europäischen Statistikamts Eurostat wären in der EU 2012 mehr als 590000 Sterbefälle allein durch bessere medizinische Behandlung und Pflege vermeidbar gewesen – im Durchschnitt 123 Sterbefälle je 100000 Einwohner. Im Vergleich der EU-Länder schneiden Frankreich, Spanien, Italien und die Niederlande mit jeweils 76 bis 90 auf diese Weise vermeidbaren Todesfällen je 100000 Ew. am besten ab. Sehr viel höhere Raten – zwischen 175 in Polen und 308 in Rumänien – weisen dagegen die osteuropäischen EU-Mitgliedstaaten auf. Darin finden die finanziellen Beschränkungen und der immer noch große Nachholbedarf beim Ausbau des Gesundheitswesens in diesen Ländern ihren Ausdruck. Ganz oben in der Liste der behandelbaren Leiden stehen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Durchblutungsstörungen am Gehirn, Darmkrebs, Brustkrebs und Bluthochdruck.

Noch weit mehr vorzeitige Todesfälle ließen sich den Schätzungen der Gesundheitsexperten zufolge durch umfassende öffentliche Gesundheitsmaßnahmen vermeiden. Dabei ist besonders an Aufklärungskampagnen, Unfallverhütungsmaßnahmen, an die Vermeidung von Umweltschäden und die Einschränkung des Tabak- und Alkoholkonsums zu denken. Die Bandbreite der dadurch vermeidbaren Sterbefälle je 100000 Einwohner lag 2012 zwischen rund 150 in Italien und mehr als 440 in Litauen. Da mancher vorzeitige Tod sowohl durch bessere Behandlung als auch durch erweiterte öffentliche Maßnahmen hätte verhindert werden können, überschneiden sich die Ergebnisse beider Teilbereiche. Für die 28 EU-Mitgliedstaaten geht Eurostat von insgesamt mehr als 1,2 Mio Todesfällen (2012) aus, die so oder so vermeidbar gewesen wären. Diese Zahl nachhaltig zu senken, dürfte jedoch eine lange Zeit in Anspruch nehmen.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 08/2015
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