Unternehmenssteuern: Sinkende Steuersätze

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Infografik Nr. 725273

Unternehmenssteuern in der EU

Seit dem Ende der 1990er Jahre wurden die Steuersätze für Unternehmenssteuern in der EU deutlich reduziert. Nach einer Aufstellung der europäischen ...

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Unternehmenssteuern in der EU

Seit dem Ende der 1990er Jahre wurden die Steuersätze für Unternehmenssteuern in der EU deutlich reduziert. Nach einer Aufstellung der europäischen Statistikbehörde Eurostat gingen sie in den heute zur EU gehörenden 28 Ländern von durchschnittlich 35,2 % (1997) auf nur noch 22,8 % im Jahr 2015 zurück. In den 19 Ländern der heutigen Eurozone sanken sie im gleichen Zeitraum von durchschnittlich 36,0 % auf 24,6 %. Im Hintergrund dieser Entwicklung stand das Bemühen der einzelnen Länder, sich gegenüber den europäischen Nachbarn und anderen konkurrierenden Nationen durch niedrigere Steuersätze als Standort für Unternehmen zu empfehlen und Steuerflucht zu unterbinden. Die tatsächliche Belastung durch die Unternehmenssteuern sank nicht ganz so stark wie die nominalen Steuersätze. Um allzu große Steuerausfälle zu vermeiden, wurden im Gegenzug nämlich oft Sonderregelungen gestrichen und Steuerschlupflöcher geschlossen. Durch die Verbreiterung der Bemessungsgrundlage wurden die niedrigeren Steuersätze aber nur teilweise ausgeglichen.

Dem europaweiten Abwärtstrend folgte auch die Entwicklung in Deutschland. Dort wurden die Steuersätze für Unternehmenssteuern sogar besonders stark reduziert: von knapp 57 % (1997) auf rund 30 % im Jahr 2015. Allerdings gehört die Bundesrepublik damit immer noch zu den Ländern mit den höchsten Unternehmenssteuern in der EU; höhere Sätze verlangen nur Frankreich (38 %), Malta (35 %) und Belgien (34 %). Demgegenüber setzen vor allem die osteuropäischen Länder auf niedrige Steuersätze, um Unternehmen ins Land zu locken. Die Steuerbelastung für Unternehmen liegt in Osteuropa in der Regel unter 20 %, am niedrigsten ist sie in Bulgarien (10 %). Unter den übrigen EU-Staaten stechen Irland und Zypern mit Niedrigsteuersätzen von jeweils nur 12,5 % hervor.

Der aggressive Steuerwettbewerb in der EU leistet der Steuervermeidung im großen Stil Vorschub, weil viele multinationale Unternehmen die unterschiedliche Besteuerung in den einzelnen Ländern ausnutzen und ihre Gewinne in Niedrigsteuerländer verlagern; trotz hoher Gewinne zahlen sie in der EU nur äußerst geringe Steuern. Daher hat die EU-Kommission eine gemeinsame Bemessungsgrundlage für die Körperschaftsteuer in der gesamten EU vorgeschlagen. Dieser Vorschlag findet sich auch in dem 2015 vorgestellten Aktionsplan „für eine faire und effiziente Unternehmensbesteuerung“ in der EU. Darin fordert die Kommission außerdem, die Verbindung zwischen dem Ort der Besteuerung und dem Tätigkeitsort wiederherzustellen, um die Verlagerung von Gewinnen zu unterbinden.

Reihe: 53
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Ausgabe: 04/2016
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