Erdgas für Europa

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Infografik Nr. 755035

Die Europäische Union verbraucht weit mehr Energie als sie selbst erzeugt. 2015 stammten bei einem Bruttoenergieverbrauch von über 1600 Mio Tonnen Rohöleinheiten etwa 54 % aus Importen. Eine wicht ...

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Die Europäische Union verbraucht weit mehr Energie als sie selbst erzeugt. 2015 stammten bei einem Bruttoenergieverbrauch von über 1600 Mio Tonnen Rohöleinheiten etwa 54 % aus Importen. Eine wichtige Energiequelle blieb das Erdgas, das fast ein Viertel des gesamten Energiebedarfs deckte. Als „saubere“, gezielt einsetzbare Energie dient es zur Versorgung der privaten Haushalte und der Industrie und wird darüber hinaus zur Stromerzeugung genutzt. Die Abhängigkeit der EU-28 von Erdgasimporten lag 2015 mit fast 70 % noch deutlich höher als für die Energieversorgung insgesamt. Sie konzentrierte sich zudem auf wenige Länder: Mehr als ein Drittel kam 2015 aus Russland, ein weiteres Drittel aus Norwegen. Weitere wichtige Lieferländer waren Algerien und Katar.

Schon der Erdgasstreit zwischen Russland und der Ukraine (2008/09), der sich mit Lieferstopps auch auf die Versorgung der EU auswirkte, hatte die Risiken einer so starken Abhängigkeit von einem Lieferanten und einem Transportweg deutlich gemacht. Deren Folgen ließen sich in der Krim-Krise in einem neuen Zusammenhang beobachten: Wegen ihrer Abhängigkeit vom russischen Erdgas verzichtete die EU auf harte Sanktionen gegen Russlands volkswirtschaftlich bedeutsamen Energiesektor. Umgekehrt blieb aber die Gefahr, dass Moskau seine Gaslieferungen erneut als politisches Druckmittel gegenüber der Ukraine benutzt und damit die Versorgung in Europa gefährdet. Allerdings sind die Abhängigkeiten wechselseitig. So ist die russische Wirtschaft stark auf Energieexporte angewiesen. Erdöl und Erdgas machen über 60 % der russischen Exporte aus, und der Großteil davon fließt nach Europa.

Als Maßnahmen zur Vermeidung künftiger Versorgungsengpässe kommen in Frage: die breitere Streuung der Bezugsquellen, auch durch Flüssiggasimporte, die Erweiterung des Speichervolumens, bessere Verbindungen zwischen den nationalen Erdgasnetzen und nicht zuletzt der Bau zusätzlicher Pipelines sowie die Erschließung alternativer Routen. So soll die geplante transanatolische Pipeline (TANAP) Erdgas aus Zentralasien nach Südosteuropa transportieren – über die Türkei statt Russland. Das Ziel einer Umgehung Russlands verfolgen auch die Projekte White Stream und AGRI, die kaspisches Gas über das Schwarze Meer abtransportieren könnten. Demgegenüber sucht Russland nach zusätzlichen Optionen, sein Erdgas nach Europa zu bringen: In der Ostsee ist ergänzend zur Pipeline Nord Stream eine weitere Rohrleitung geplant (Nord Stream 2) und mit der Türkei vereinbarte Moskau den Bau einer Schwarzmeer-Pipeline (Turkish Stream). Letztere ersetzt das im Zuge der Krim-Krise gescheiterte Projekt South Stream.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 03/2017
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