Das Kastensystem in Indien

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Das Kastenwesen in Indien

Bis heute ist das gesellschaftliche Leben in Indien durch das Kastenwesen geprägt. Dessen Grundlagen entstanden vor Jahrtausenden, in einer Zeit, als N ...

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Das Kastenwesen in Indien

Bis heute ist das gesellschaftliche Leben in Indien durch das Kastenwesen geprägt. Dessen Grundlagen entstanden vor Jahrtausenden, in einer Zeit, als Nomadenvölker aus Zentralasien, die sich selbst Aryas („Edle“) nannten, in Nordindien einwanderten und dort ab etwa 1000 v. Chr. sesshaft wurden. Ihre herrschende Priesterklasse entwarf damals jene Kategorien, die heute mit dem Begriff der „Kaste“ bezeichnet werden. Der Begriff selbst ist allerdings eine Fremdzuschreibung durch Europäer, abgeleitet von dem portugiesischen Wort casta für „rein“. Die „Kasten“-Hierarchie besteht eigentlich aus zwei Kategorien, die sich gegenseitig ergänzen: Die erste Kategorie der • Varna (sanskritisch für „Farbe“) unterteilt die Gesellschaft grob in soziale Schichten bzw. Stände. Im Rigveda, der ältesten Heiligen Schrift des Hinduismus, werden sie mythologisch begründet: Bei der Opferung des Urwesens Purusha seien aus seinem Mund die Brahmanen (Priester) entstanden, aus seinen Armen die Kshatriyas (Krieger), aus den Schenkeln die Vaishyas (Händler) und aus den Füßen die Shudras (Bedienstete). Später wurden in einer fünften Schicht verschiedene Gruppen außerhalb des Varna-Systems (Avarna) zusammengefasst: die „Unberührbaren“, die „unreine“ Arbeiten verrichten – wie das Töten von Tieren oder das Reinigen von Latrinen –, und die Stämme der Ureinwohner, die nicht in das Kastensystem integriert wurden. Nach und nach wurde in die Varna-Ordnung die wesentlich differenziertere Kategorie der • Jati („Geburt“) eingewoben. Sie bezeichnet eine fiktive Abstammungslinie mit meist beruflichem Bezug, z.B. die Jati der Zimmerer, der Töpfer oder der Wäscher. Der Zensus von 1881 im damaligen Britisch-Indien zählte rund 2000 solcher Jatis. Jatis sind, zumindest vom Prinzip her, endogam, geheiratet wird also nur innerhalb einer Jati.

In den Städten des modernen Indiens weichen solche Kastengrenzen allmählich auf, doch vor allem auf dem Land spielen sie noch eine wichtige Rolle. Darunter leiden besonders die untersten Schichten. Sie gelten als „unrein“, werden von Angehörigen höherer Kasten in vielerlei Hinsicht ausgegrenzt und haben kaum eine Chance auf sozialen Aufstieg. Die indische Verfassung erkennt ihre Schutzbedürftigkeit an und führt die „Unberührbaren“, die sich selbst Dalits („Unterdrückte“) nennen, als „gelistete Kasten“ (scheduled castes). Diese stellten im Zensus 2011 mit 167 Mio Menschen rund 16 % der Bevölkerung. Hinzu kamen 84 Mio Stammesangehörige (8 %), die sogenannten scheduled tribes, die sich selbst oft als Adivasi („Ureinwohner“) bezeichnen. Beiden Bevölkerungsgruppen werden im Rahmen der Politik der „positiven Diskriminierung“ Privilegien in Bildung und Beruf eingeräumt und Parlamentssitze reserviert. Diese Politik ist aber umstritten, da sie aus Sicht der Kritiker zur Zementierung der Kastengrenzen beiträgt.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 10/2016
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