Verdienste im West-Ost-Vergleich

Verdienste im West-Ost-Vergleich
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Infografik Nr. 286142

Die Einkommenslage der Arbeitnehmer ist auch 30 Jahre nach dem Fall der Mauer noch durch ein deutliches West-Ost-Gefälle gekennzeichnet.
Im Jahr 2019 belief sich der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in Westdeutschland (einschließlich Berlin) auf 4 546 €, in Ostdeutschland dagegen auf 3 461 €. 

Dass insgesamt noch immer ein so starkes West-Ost-Gefälle besteht, erklärt sich aus Unterschieden der Beschäftigten- und Betriebsgrößenstruktur, nicht zuletzt aber aus der geringeren Tarifbindung der ostdeutschen Privatwirtschaft.

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Die Einkommenslage der Arbeitnehmer ist auch 30 Jahre nach dem Fall der Mauer noch durch ein deutliches West-Ost-Gefälle gekennzeichnet. In den ersten Jahren nach der deutschen Einigung hatten sich die Durchschnittsverdienste der ostdeutschen Arbeitnehmer zügig an die ihrer westdeutschen Kollegen angenähert. Ab Mitte der 1990er Jahre kam die Angleichung der Arbeitsverdienste aber nur noch in kleineren Schritten voran.

Im Jahr 2019 belief sich der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in Westdeutschland (einschließlich Berlin) auf 4 546 €, in Ostdeutschland dagegen auf 3 461 € – Sonderzahlungen jeweils anteilig berücksichtigt. Über alle Bereiche des Produzierenden Gewerbes und des Dienstleistungssektors hinweg lag das Lohnniveau im Osten damit um fast ein Viertel niedriger als im Westen. Betrachtet man die einzelnen Wirtschaftszweige, fällt der West-Ost-Abstand zum Teil viel geringer, zum Teil aber auch noch größer aus. So verdienten die Vollzeitbeschäftigten im Verarbeitenden Gewerbe der ostdeutschen Länder 2019 etwa 32 % weniger als im alten Bundesgebiet. Bei den unternehmensnahen Dienstleistungen betrug der Verdienstabstand 31 %, im Handel waren es 28 %. Im Baugewerbe und im Verkehrsgewerbe blieben die Ostverdienste um 18 bis 19% hinter den westdeutschen Vergleichswerten zurück. Anders jedoch in der öffentlichen Verwaltung, wo der frühere Verdienstabstand seit der Tariflohnangleichung von 2009/2010 weitgehend eingeebnet wurde.

In den meisten Wirtschaftszweigen waren die West-Ost-Lohndifferenzen bei den Männern größer als bei den Frauen. Im Durchschnitt lag der Bruttomonatsverdienst der vollzeitbeschäftigten Männer im Osten um 27 % unter denen im Westen; bei den Frauen betrug der Abstand nur 15 %. Das ist u.a. darauf zurückzuführen, dass die weiblichen Beschäftigten in Ostdeutschland tendenziell höher qualifizierte Tätigkeiten ausüben und eine durchgängigere Berufslaufbahn aufweisen als ihre West-Kolleginnen.

Dass insgesamt noch immer ein so starkes West-Ost-Gefälle besteht, erklärt sich aus Unterschieden der Beschäftigten- und Betriebsgrößenstruktur, nicht zuletzt aber aus der geringeren Tarifbindung der ostdeutschen Privatwirtschaft. So haben die zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern ausgehandelten Tariflöhne im Osten zwar häufig schon westdeutsches Niveau erreicht, viele Ost-Unternehmen unterliegen aber keinem Tarifvertrag und zahlen weit unter dem Tarif ihrer Branche. Das Fehlen leistungsstarker Großbetriebe mit hohem Lohnniveau macht sich hier besonders bemerkbar.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 11/2020
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