Der wirtschaftliche Aufstieg Indiens

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Der wirtschaftliche Aufstieg Indiens

Im Windschatten Chinas entwickelt sich auch Indien zu einer wirtschaftlichen Großmacht. Die Grundlagen dafür wurden Anfang der 1990er Jahre durch ...

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Der wirtschaftliche Aufstieg Indiens

Im Windschatten Chinas entwickelt sich auch Indien zu einer wirtschaftlichen Großmacht. Die Grundlagen dafür wurden Anfang der 1990er Jahre durch Reformen vor allem der Finanz-, Zins- und Handelspolitik geschaffen. Seitdem hat sich die reale Wirtschaftsleistung des Landes annähernd vervierfacht. Gemessen am kaufkraftgewichteten Bruttonationaleinkommen rangiert es inzwischen an dritter Stelle in der Welt (nach den USA und China), seiner Bevölkerung nach ist es (mit 1,2 Milliarden Menschen) das zweitgrößte Land der Erde. Als eines der führenden Schwellenländer nimmt es an den weltpolitischen und weltwirtschaftlichen Beratungen und Entscheidungen der G-20-Staaten teil.

Der wirtschaftliche Aufstieg Indiens stützte sich anders als in China auf ein breites Fundament privater Unternehmen, nicht auf staatliche Lenkung. Mit bestimmten Produkten – z.B. Software-Dienstleistungen, Pharmazeutika, Kfz-Bauteilen, Textilien – gelang Indien auch der Zugang zum Weltmarkt. Trotz der allmählichen Integration in den Welthandel konzentrieren sich die wirtschaftlichen Aktivitäten aber nach wie vor auf den Binnenmarkt. Wurde der Aufbruch der 1990er Jahre vor allem vom privaten Konsum getragen, so erwiesen sich in den wachstumsstarken Jahren 2003-2008 die Investitionen als treibende Kraft. 2011/12 betrug die Investitionsquote nahezu 34% des BIP. Inzwischen hat sich das Wachstum aber dramatisch abgeschwächt und außenwirtschaftlich ist Indien als Ölimportland wegen seines hohen Leistungsbilanzdefizits in Bedrängnis geraten. Die Rupie verlor 2013 dramatisch an Wert.

Damit rücken die Schwächen und Versäumnisse der Entwicklung Indiens wieder stärker in den Blick. Trotz der Wachstumserfolge befindet sich die öffentliche Infrastruktur, vom Verkehrswesen über Energie- und Wasserversorgung bis zum Gesundheits- und Bildungswesen, in einem kläglichen Zustand. Verwaltung und Rechtswesen werden den Erfordernissen einer aufstrebenden Wirtschaftsmacht nicht gerecht; Korruption ist ein allgegenwärtiges Übel. Zwar rechnet sich Indien die Altersstruktur seiner Bevölkerung mit einem hohen Anteil arbeitsfähiger jüngerer Menschen als Vorteil gegenüber den Industrieländern und China an. Doch fehlt es den weitaus meisten dieser Nachwuchskräfte an beruflicher Qualifikation. Wie in ande¬ren Schwellenländern vollzieht sich auch in Indien eine asymmetrische Entwicklung, die viel sozialen Zündstoff in sich birgt. So bleibt die Landwirtschaft, in der noch immer jeder Zweite beschäftigt ist, weit hinter der Industrie und den Dienstleistungen zurück. Entsprechend wächst die Kluft zwischen Arm und Reich, zwischen modernen Wirtschaftszentren und dem übrigen Land.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
color: Komplette Online-Ausgabe als PDF-Datei.
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Ausgabe: 09/2013
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