Die Wirtschaft Japans

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Infografik Nr. 879210

Als industrieller „Nachzügler“ fand Japan erst nach dem Zweiten Weltkrieg Anschluss an die wirtschaftliche Entwicklung der führenden Nationen. Mit hohen Wachstumsraten katapultierte sich die japanische Wirtschaft dann aber in kurzer Zeit nach vorn: Ab 1968 nahm das Inselreich für mehr als vier Jahrzehnte die Position der zweitstärksten Wirtschaftsmacht der Welt ein. Doch in den 1990er Jahren flachten die Wachstumsraten ab und lange vernachlässigte Probleme traten in den Vordergrund. Als im Jahr 1990 eine Spekulationsblase platzte, stürzte das Land in eine tiefe, langanhaltende Krise. Seit 2012 kämpfte sich Japan allmählich aus der Krise.

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Als industrieller „Nachzügler“fand Japan erst nach dem Zweiten Weltkrieg Anschluss an die wirtschaftliche Entwicklung der führenden Nationen. Mit hohen Wachstumsraten katapultierte sich die japanische Wirtschaft dann aber in kurzer Zeit nach vorn: Ab 1968 nahm das Inselreich für mehr als vier Jahrzehnte die Position der zweitstärksten Wirtschaftsmacht der Welt ein. Der Erfolg des japanischen Modells beruhte auf einer eigentümlichen Verbindung von Tradition und Moderne: Zum Aufstieg Japans trug anfangs vor allem eine dirigistische staatliche Industriepolitik mit ihren Schutz- und Förderungsmaßnahmen zugunsten ausgewählter Exportbranchen bei. In enger Koordination von Politik, Bürokratie und Wirtschaft wurden auch größere Strukturveränderungen mit erstaunlicher Anpassungsfähigkeit vollzogen. Weitere Faktoren des Erfolgs waren die enge Beziehung der Unternehmen zu ihren Hausbanken und die Verflechtung der Unternehmen zu großen Konglomeraten (keiretsu) – beides zugleich Voraussetzung für ein kontinuierliches, weit vorausdenkendes Management. Die traditionelle Arbeitsverfassung mit langfristiger Bindung der Arbeitskräfte und einem stark altersabhängigen Gehaltssystem, mit Teamarbeit und hoher Leistungsbereitschaft der Beschäftigten begünstigte den wirtschaftlichen Aufstieg ebenso wie die weit über dem Durchschnitt der Industrieländer liegende Spar- und Investitionsquote.

Doch in den 1990er Jahren flachten die Wachstumsraten ab und lange vernachlässigte Probleme traten in den Vordergrund: Die Zweiteilung der Wirtschaft in einen hochentwickelten Exportsektor und einen wettbewerbsschwachen Binnensektor, die Abschottung von Wirtschaft und Gesellschaft nach außen, die Verschleppung von Reformen in Politik und Verwaltung, die wachsende Kluft zwischen den Regionen, ein zu starres Bildungssystem und die Überalterung der Gesellschaft mit der Folge eines schrumpfenden Arbeitskräfteangebots und eines deflationär wirkenden Nachfragerückgangs. Als im Jahr 1990 eine Spekulationsblase platzte, stürzte das Land in eine tiefe, langanhaltende Krise. Vor allem der Finanzsektor wurde hart getroffen. Als Exportland bekam Japan auch die globale Wirtschaftskrise von 2008/09 stark zu spüren.

Seit 2012 kämpfte sich Japan allmählich aus der Krise. Die als „Abenomics“ bekannt gewordene Wirtschaftspolitik von Premierminister Shinzo Abe leitete eine neuerliche Wachstumsphase ein. Sie beruht auf drei Säulen: Strukturreformen, die das Land wettbewerbsfähiger machen sollen, eine Ausweitung der Staatsausgaben, um die Binnennachfrage anzukurbeln, und eine lockere Geldpolitik mit extrem niedrigen Zinsen. Der Preis dafür ist aber eine enorm hohe Staatsverschuldung.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 10/2019
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