Die Entwicklung des Milchpreises

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Innerhalb der EU ist Deutschland mit einem Anteil von über 20 % (2015) der größte Milcherzeuger. Insofern ist die Bundesrepublik besonders betroffen von der europaweiten „Milchkrise“, mit der die Talfahrt der Milchpreise in den letzten Jahren bezeichnet wird. Für viele Milchbauern ist der Preisverfall existenzbedrohend: Damit sie kostendeckend produzieren können, müssten ihnen die Molkereien nach ihren Angaben einen Erzeugerpreis von mindestens 40 Cent pro Kilogramm zahlen. Doch über 40 Cent lag der Preis für konventionell erzeugte Kuhmilch zuletzt Anfang 2014. Von diesem Zeitpunkt an ging es über mehr als zwei Jahre abwärts; im Juli 2016 fiel der Erzeugerpreis auf einen Tiefstwert von 23,33 Cent pro kg.

Die Ursachen für den Preisverfall liegen im Wesentlichen in einem Überangebot an Milch auf dem Markt, eine Folge der in den letzten Jahren fast stetig gesteigerten Milchmenge: Im Jahr 2006 lieferten die Milcherzeuger noch rund 26900 Tonnen Milch an die Molkereien, 2016 waren es mehr als 30500 Tonnen. Hohe Milchpreise in der Vergangenheit ließen das Geschäft mit der Milch profitabel erscheinen und motivierten viele Milchbauern zur Ausweitung der Produktion. Befördert wurde die Überproduktion durch das Ende der Milchquote im März 2015. Die Quote war 1984 von der Europäischen Gemeinschaft eingeführt worden, um die seit Ende der 1970er Jahre steigende Agrarproduktion einzudämmen. Überschüsse wurden vom Markt weggekauft und wer über die Quote hinaus Milch produzierte, musste eine Strafabgabe zahlen. Die Quote blieb jedoch erfolglos: Sie verringerte zwar die Milchmenge auf dem Markt, führte aber nicht zu einer Stabilisierung der Preise. Mit der Abschaffung der Quote fiel die Mengenbegrenzung weg. Begründet wurde dies von der EU-Kommission auch damit, dass die steigenden Milchmengen ihren Absatz im Export finden würden. Doch diese Hoffnung erfüllte sich nicht. Stattdessen sank weltweit die Nachfrage: In China, dem wichtigsten Abnehmerland für Milch, verlangsamte sich das Wirtschaftswachstum und dämpfte die Kaufkraft; gleiches geschah in den ölexportierenden Ländern. Hinzu kam das russische Embargo für Nahrungsmittel aus der EU im Zuge der Ukraine-Krise.

Um die Milchbauern zu unterstützen leistete die EU ab Mitte 2016 Finanzhilfen, die teilweise an eine Verringerung der Produktion geknüpft waren. Die Milchmenge nahm leicht ab und auch die Preise stiegen wieder. Langfristig müssten sich aber die Strukturen auf dem Milchmarkt ändern. Dazu gehören die starren Lieferverträge zwischen Milcherzeugern und Molkereien, die den Bauern einen Wechsel nahezu unmöglich machen, und die auf nur noch drei Einzelhandelsketten konzentrierte preisbestimmende Marktmacht.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 05/2017
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