Steinkohlenbergbau in Deutschland

Steinkohlenbergbau in Deutschland
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Infografik Nr. 339122

In den Spitzenjahren 1956/57 förderten die Zechen an der Ruhr, im Saargebiet, im Raum Aachen und im nördlichen Münsterland rund 150 Mio Tonnen Kohle und deckten damit zwei Drittel des gesamten Primärenergieverbrauchs. In der Folge geriet die Steinkohle mit ihren hohen Produktionskosten jedoch unter zunehmenden Wettbewerbsdruck.

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In der Wiederaufbauphase nach dem Zweiten Weltkrieg stützte sich die Energieversorgung der Bundesrepublik Deutschland weitgehend auf die heimische Steinkohle. In den Spitzenjahren 1956/57 förderten die Zechen an der Ruhr, im Saargebiet, im Raum Aachen und im nördlichen Münsterland rund 150 Mio Tonnen Kohle und deckten damit zwei Drittel des gesamten Primärenergieverbrauchs. In der Folge geriet die Steinkohle mit ihren hohen Produktionskosten jedoch unter zunehmenden Wettbewerbsdruck. Auf dem Wärmemarkt – bei der Brennstoffversorgung von Industrie, Haushalten und öffentlichen Einrichtungen – wurde sie durch das billigere Heizöl bereits in den 1960er Jahren zurückgedrängt. Deshalb musste die jährliche Steinkohlenförderung bis 1970 auf rund 110 Mio t gedrosselt werden. Die Zechenbelegschaft schrumpfte in diesem Anpassungsprozess von 607 000 (1957) auf 253 000 Beschäftigte (1970).

Weil der deutsche Bergbau seine Kostennachteile trotz steigender Produktivität aber nicht überwinden konnte, waren massive staatliche Hilfen notwendig, um seinen Fortbestand zu sichern. Begründet wurde diese Kohleschutzpolitik vor allem mit der Notwendigkeit einer ungestörten Energieversorgung auch in außen- und energiepolitisch angespannten Zeiten. Im Rahmen dieser Politik konnte der Bergbau einen Großteil der geförderten Kohle auf Grund langfristiger Abnahmegarantien an die Stahlindustrie und die Elektrizitätswirtschaft absetzen. Dabei wurde der Verbrauch der heimischen Kohle durch staatliche Zuschüsse (Kokskohlenbeihilfen, Verstromungshilfen) und (bis 1995) durch Importbeschränkungen für die billigere Weltmarktkohle gestützt. Dennoch musste die Kohleförderung weiter eingeschränkt werden.

1997/98 wurde der kohlepolitische Rahmen zwischen Staat und Wirtschaft neu abgesteckt. Unter der Prämisse, einen „langfristig lebensfähigen und gesamtwirtschaftlich vertretbaren Bergbau in Deutschland zu erhalten“, verständigte man sich im „Kohlekompromiss“ auf die unternehmerische Neuordnung des Steinkohlebergbaus in der Deutschen Steinkohle AG, die Absenkung der Steinkohlehilfen und die Reduzierung der Förderkapazität auf 26 Mio t. Dabei blieb es jedoch nicht: 2007 wurde mit einer neuen Übereinkunft zwischen Bund, Revierländern, RAG-Konzern und IG BCE der Ausstieg aus dem subventionierten Steinkohlenbergbau bis Ende 2018 beschlossen. Die EU, die zunächst für ein schnelleres Ende der Steinkohlensubventionen eingetreten war, hatte zugestimmt. So wurde am 21.12.2018 aus der Zeche Prosper-Haniel in Bottrop das letzte Stück Kohle gefördert. Der 200-jährige industrielle Steinkohleabbau in Deutschland war damit beendet. Steinkohle aus Importen wird aber weiterhin als Energierohstoff genutzt.

Reihe: 53
Reihentitel: Zahlenbilder
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Ausgabe: 04/2019
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