Messlatte des Wohlstands

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Infografik Nr. 725238

Messlatte des Wohlstands

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Unter dem gemeinsamen europäischen Dach sollen die Staaten zu ihrem gegenseitigen Vorteil enger zusammenrücken. Das ist die Grundidee der EU. Der Binnenmarkt bietet den Rahmen für die wirtschaftliche Entfaltung der EU-Mitglieder; Zuschüsse der EU helfen Strukturdefizite in benachteiligten Regionen auszugleichen. Dennoch liegen die EU-Mitgliedstaaten in ihrem Leistungs- und Wohlstandsniveau zum Teil weit auseinander. Mit der EU-Osterweiterung 2004/07 hatten sich die Abstände zwischen armen und wohlhabenden EU-Ländern zunächst noch beträchtlich ausgeweitet. Einige Länder konnten ihren Rückstand zwar rasch verringern, andere wurden durch die Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/09 und die nachfolgende Euro-Schuldenkrise jedoch weit zurückgeworfen. Neue Berechnungen des Europäischen Statistikamts Eurostat zeigen nun, wie sich die einzelnen Mitgliedstaaten 2017 im EU-Wohlstands-Ranking einordneten.

Als Messlatte für derartige Vergleiche wird häufig die kaufkraftbereinigte Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung verwendet. Aber wenn es um den Lebensstandard geht, ist der Individualkonsum je Einwohner ein weitaus besserer Maßstab. Der Individualkonsum umfasst außer den Konsumausgaben der privaten Haushalte auch die vom Staat oder von gemeinnützigen Organisationen bereitgestellten Güter für Bildung und Gesundheitspflege. Es werden letztlich also alle privat konsumierten Güter erfasst, ohne Rücksicht darauf, ob sie allein aus privaten Mitteln beschafft wurden oder ob der Staat (z.B. durch soziale Sachtransfers wie die kostenlose medizinische Behandlung) dazu beiträgt. Das erleichtert den Vergleich zwischen Ländern mit unterschiedlichen Systemen sozialer Sicherung. Auch beim Individualkonsum wird ein „realer“, vom Preisniveau der einzelnen Länder unabhängiger Vergleich vorgenommen.

Obwohl in der Regel ein enger Zusammenhang zwischen Wirtschaftsleistung und Konsum besteht, sind die Abstände zwischen ärmeren und reicheren Ländern beim Individualkonsum pro Kopf geringer als beim BIP. Setzt man den durchschnittlichen Individualkonsum in der EU-28 = 100, so lagen die meisten älteren EU-Staaten über dem Durchschnitt – an der Spitze Luxemburg (130) vor Deutschland (122) und Österreich (118). Unterhalb des Durchschnitts rangierten neben den östlichen Beitrittsländern auch die von der Schuldenkrise betroffenen Länder im Süden und Westen der EU. Deren Wohlstandsniveau lag, am EU-Durchschnitt gemessen, zum Teil deutlich niedriger als vor der Krise, während die baltischen Staaten nach einem schweren Rückschlag seit 2011 in großen Schritten wieder aufholten. Kroatien, das der EU 2013 beitrat, rangiert nach Ungarn und vor Bulgarien am unteren Ende des EU-Vergleichs.

Reihe: 53
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Ausgabe: 07/2018
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