Welthandel mit Erdgas

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Infografik Nr. 648220
Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine haben sich die internationalen Handelsströme mit Erdgas schon deutlich verändert. Bis 2022 war Europa noch der Hauptabnehmer der russischen Erdgasproduktion. Inzwischen spielt der Import von Flüssiggas aus anderen Weltregionen aber eine wichtigere Rolle. Eine Karte zeigt das neue Netz der Erdgaslieferungen!
Auf den Ausbruch des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 reagierte die EU schon Anfang Mai des Jahres mit einem Plan, der die Union und ihre Mitgliedstaaten nach und nach von russischen Energielieferungen unabhängig machen sollte. Dieser Plan (REPowerEU) bezog sich vor allem auf den Import von Erdgas, Öl und Kernbrennstoffen aus Russland. Seine Umsetzung, zu der auch die zahlreichen wirtschaftlichen Sanktionen gegenüber Russland beitrugen, zog große Verwerfungen in der Energieversorgung der Gemeinschaft und darüber hinaus im Welthandel mit Energierohstoffen nach sich. Die europäische Strategie setzte langfristig auf erneuerbare Energien und suchte nach Übergangslösungen durch den Rückgriff auf Kohle und Kernkraft, die Erschließung neuer Energiebezugsquellen und den verstärkten Import von Flüssiggas aus den USA, Afrika und dem Nahen Osten.
Ein Blick auf die Struktur des Erdgashandels zwischen den Weltregionen zeigt, wie sich die wichtigsten Handelsströme 2024 bereits verändert haben. Flossen 2021 noch 167,0 Mrd Kubikmeter Erdgas von Russland über Pipelines nach Europa, so waren es 2024 nur mehr 51,4 Mrd cbm. Die Erdgaslieferungen über die Pipeline Nord Stream 1 waren Ende August 2022 noch von russischer Seite aus gestoppt worden, um Druck vor allem auf Deutschland auszuüben. Nord Stream 2 ging, obwohl fertiggestellt, nicht in Betrieb und wurde im Herbst 2022 durch Sabotage zerstört. Insgesamt importierte Europa (ohne Norwegen) 2024 rund 366 Mrd cbm Erdgas, davon 232 Mrd cbm über Pipelines, und zwar hauptsächlich aus norwegischen Quellen (knapp 119 Mrd cbm). Fast 134 Mrd cbm Erdgas gelangten als Flüssiggas (Liquid Natural Gas - LNG) nach Europa und ersetzten dadurch den Großteil des früheren Imports aus Russland. Als Flüssiggaslieferant nahmen die USA eine führende Rolle ein. Deutschland bereitete sich durch Flüssiggasterminals (in Wilhelmshaven, Brunsbüttel und Mukran/Lubmin) auf das Entladen von Gastankern vor.
Die scharfe Einschränkung des Exports nach Europa zwingt Russland, nach alternativen Abnehmern zu suchen, zumal die EU den Bezug russischen Erdgases bis Ende 2027 gänzlich beenden will. Da sich die Lieferungen bisher auf ein gigantisches und über Jahrzehnte gewachsenes Netz aus Rohrleitungen stützten, können die Handelsströme nicht kurzfristig umgeleitet werden. Zwar hat China seine Erdgas-Importe aus Russland verstärkt, doch blieben die Abnahmemengen 2024 mit insgesamt rund 37 Mrd cbm noch relativ gering. Für die Versorgung des asiatischen Wirtschaftsraums mit Erdgas spielten Australien, Katar und die USA 2024 eine viel wichtigere Rolle.
Ausgabe: | 08/2025 |
Produktformat: | eps-Version, Komplette Online-Ausgabe als PDF-Datei. |
Reihe: | 53 |
Reihentitel: | Zahlenbilder |