Unter der Armutsgrenze

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Infografik Nr. 286335

Unter der Armutsgrenze

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Unter der Armutsgrenze

Im Zeichen der Globalisierung werden die Volkswirtschaften immer stärker auf Leistungsfähigkeit getrimmt, damit sie im internationalen Wettbewerb bestehen können. Zugleich wächst damit aber die Gefahr der sozialen Ausgrenzung für jene Teile der Gesellschaft, die den erhöhten Leistungsnormen nicht (mehr) gerecht werden. Ereignisse wie Arbeitslosigkeit, Scheidung oder Krankheit können genügen, um einen Menschen oder einen Haushalt aus der normalen Bahn zu werfen und in Armut absinken zu lassen.

Armut wird in entwickelten Gesellschaften meist als relative Größe aufgefasst und in Bezug zum mittleren Lebensstandard definiert. In dem Indikatorensystem, das die EU zur vergleichenden Beobachtung der sozialen Lage aufgestellt hat, gelten Personen, die weniger als 60 % des mittleren Einkommens der Bevölkerung zur Verfügung haben, als armutsgefährdet. Gemessen wird dies anhand des Haushalts-Nettoeinkommens, das bedarfsgewichtet auf die Haushaltsmitglieder umgelegt wird. Die Gewichtung berücksichtigt, dass größere Haushalte pro Kopf günstiger wirtschaften als kleine. Für die erste erwachsene Person eines Haushalts wird daher ein Bedarf von 1 angesetzt; jeder weitere Erwachsene geht mit dem Wert 0,5, jedes Kind unter 14 Jahren mit dem Wert 0,3 in die Berechnungen ein. Die Einkommenslage einer Drei-Personen-Kleinfamilie mit 1800 € entspricht somit der einer alleinlebenden Person mit 1000 €.

Legt man diese Methode zugrunde, waren in Deutschland 2014 rund 17 % der Bevölkerung als armutsgefährdet zu betrachten. Ohne die Hilfen durch Sozialtransfers (wie Renten, Kindergeld, Arbeitslosengeld, ALG II, Wohngeld) wären es sogar 25 % gewesen. Da Arbeit für die meisten Menschen die Hauptquelle ihres Einkommens ist, variierte das Armutsrisiko mit der Stellung im Erwerbsleben: Nur 10 % der Erwerbstätigen, aber 67 % der Arbeitslosen waren arm oder von Armut bedroht. Von den Ruheständlern befanden sich 17 % in einer derart prekären Lage. Je höher der Bildungsgrad, desto geringer das Armutsrisiko: So waren 29 % der Personen mit niedrigem Bildungsabschluss, aber nur 11 % der Hochschulabsolventen armutsgefährdet.

Die Einkommenslage unterscheidet sich auch nach der Haushaltssituation. Selbst unter Berücksichtigung von Sozialleistungen war 2014 fast jede/r dritte Alleinerziehende (29 %) armutsgefährdet. Überaus hoch war auch das Armutsrisiko alleinlebender Personen (33 %). Paarhaushalte lebten dagegen seltener in Armut; Paare mit zwei Kindern waren sogar weit unterdurchschnittlich davon betroffen (11 %). Die oft gehörte These, dass Kinder Armut bedeuten, kann also nicht ohne Weiteres bejaht werden.

Reihe: 53
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Ausgabe: 03/2016
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