Außenhandel der Bundesrepublik Deutschland 1950-2020

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Die deutsche Volkswirtschaft ist tief in die internationale Arbeitsteilung integriert. Produktionsstruktur und Leistungsumfang der Unternehmen sind stark am Export orientiert. Immer wieder wirkt die Auslandsnachfrage als „Konjunkturmotor“, der Investitionen und in der Folge auch Beschäftigung und Konsum ankurbelt. Etwa jeder vierte Arbeitsplatz hängt direkt oder indirekt von der Exportwirtschaft ab.

Die Bedeutung des Außenhandels für die Wirtschaft der Bundesrepublik zeigte sich schon früh. Nachdem die Handelsbeziehungen durch die Autarkiepolitik des NS-Staats, durch Krieg und Besatzung unterbrochen waren, strebte die Bundesrepublik danach, die Enge des heimischen Marktes und den Mangel an Rohstoffen möglichst rasch durch Öffnung zum Weltmarkt zu überwinden. Einen ersten Exportboom löste der Koreakrieg 1950/51 aus, weil deutsche Investitions- und Verbrauchsgüter nun verstärkt zur Deckung der internationalen Nachfrage benötigt wurden. Die Politik unterstützte die außenwirtschaftliche Entwicklung, indem sie sich für die Liberalisierung des Welthandels einsetzte und die Grenzen frühzeitig für Einfuhren aus den westeuropäischen Staaten öffnete. Obwohl die Bundesrepublik selbst stark auf Importe (Rohstoffe, Ernährungsgüter) angewiesen war, rutschte die Handelsbilanz nur kurzzeitig (1950) ins Defizit. Seitdem waren stets Überschüsse zu verzeichnen, so dass Spielraum zur Lockerung von Restriktionen im Außenhandel und im internationalen Zahlungsverkehr bestand.

Die Einbindung in den Welthandel setzte die deutschen Unternehmen einem scharfen Konkurrenzdruck aus und zwang sie zur ständigen Steigerung ihrer Produktivität und ihres technischen Leistungsstands. Auch führte sie zum Niedergang nicht mehr wettbewerbsfähiger Branchen, zur Verlagerung von Arbeitsplätzen in Niedriglohn-Länder und zur zunehmenden Durchdringung des Inlandsmarkts mit Importgütern. Dennoch fiel die Bundesrepublik nicht in eine protektionistische Politik zurück, sondern blieb ein wichtiger Teil des Weltmarkts. 1986 eroberte sie erstmals den inoffiziellen Titel des Exportweltmeisters; auch von 2003 bis 2008 war sie die exportstärkste Nation. 2019 belegte Deutschland mit einem Anteil von 7,9 % am Welt-Warenexport (gemessen in US-Dollar) den dritten Rang hinter China (13,2 %) und den USA (8,7 %).

Die Kehrseite der Weltmarktabhängigkeit zeigte sich in der Wirtschafts- und Finanzkrise 2009, als die deutsche Wirtschaft in ihre bisher tiefste Rezession stürzte. Doch schon 2010 erholte sie sich wieder davon. Schwer getroffen wurde die deutsche Exportbranche auch durch die Corona-Krise, die 2020 zu einer neuerlichen Rezession führte: die Warenausfuhren brachen dabei um rund 9 % ein.

Ausgabe: 04/2021
Reihe: 53
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